Stellungnahme zum Markenrelaunch der Baskets: Unsere Baskets sind tot. Einstellung sämtlicher Aktivitäten.

Am 1. August präsentierten die Baskets einen ausgedehnten Markenrelaunch, der uns als Gruppe in seinem Ausmaß überfiel. Es ist der finale Schritt eines langen Prozesses von einem familiären Verein, den wir kennen und lieben gelernt haben, der für uns einen maßgeblichen Lebensmittelpunkt darstellte, hin zu einem reinen Wirtschaftsunternehmen, welches sich selbst ausschließlich als „Marke“ und ihre Fans als Mittel zu wirtschaftlichen Zwecken sieht. Mit diesem Schritt sind die Baskets endgültig gestorben und wir haben damit die Grundlage unserer Fanarbeit verloren, weshalb uns nicht anderes bleibt, als schmerzlich zu verkünden, sämtliche Aktivitäten mit dem heutigen Tag einzustellen. An diesem Samstag, den 11. August 2018 verabschiedeten wir uns symbolisch von unseren Baskets und trugen unsere Identifikation mit dem Verein, seine Tradition und all jenes, was wir stets an ihm liebten, zu Grabe. Wir wollen mit dieser Stellungnahme unsere Beweggründe und die Emotionalität dieses Ereignisses nachvollziehbar machen. Darüber hinaus wollen wir dem relativierenden Tenor anderer Fans, die diesen Schritt isoliert und losgelöst aus der Entwicklung des Vereins betrachten und nicht ausreichend Akzeptanz für unterschiedliche Selbstdefinitionen des Fanseins aufbringen, eine andere und ausführliche Perspektive entgegenstellen. Für uns wird der 1. August 2018 immer ein schwarzer Tag bleiben, an dem uns etwas genommen wurde, was kaum wichtiger hätte sein können. Wenngleich der Markenrelaunch „nur“ die Arschbombe in das randvolle Fass darstellt, hat sich dieses Fass für uns über die Jahre hinweg stetig gefüllt, was wir im Folgenden ausführlich darlegen werden.

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Als die Spitze des Oldenburger Basketballs zu Beginn der Saison 2001/2002 erstmals unter dem Namen „EWE Baskets Oldenburg“ auflief und damit die Ausgliederung aus dem Oldenburger Turnerbund abrundete, war das für viele Anhänger ein schwer zu verdauender Schritt. Es war der Beginn einer neuen Ära, etwas Neues, was aus dem OTB entstand und fortan den Oldenburger Profibasketball vertreten sollte. Nicht alle konnten sich damit arrangieren, sich mit dem nun in Hauptsponsor-Farben auftretenden Verein, dessen Wappen sogar das Sponsorlogo beinhaltete, identifizieren und schon damals wandten sich viele daraufhin vom Verein ab. Was damals ein Schritt war, um den OTB durch das Projekt Profisport finanziell nicht in Gefahr zu bringen, war ebenfalls der ruckhafte Beginn einer Loslösung vom OTB. Kaum etwas erinnerte an den Mutterverein und stetig wurden die Wurzeln weiter abgetrennt. War der Nachwuchs noch lange im Turnerbund organisiert und spielte unter dessen Namen, so wurde stetig daran gearbeitet, diesen zu vergessen. Die Nachwuchsteams der Baskets hießen erst „Junior Baskets“, dann wurde die „Baskets Akademie Weser-Ems/Oldenburger TB“ gegründet, was dem Kooperationspartner genannten OTB zumindest im Namen Raum verschaffte. Heute, 17 Jahre nach der Umbenennung, wurde diese Entwicklung abgeschlossen und der neue Vereinsname der Nachwuchsorganisation „Baskets4Life“ im Jargon pubertierender Heranwachsender der frühen 2000er Jahre hält Einzug. Nichts in der Außendarstellung der Baskets oder des Nachwuchses erinnert an den Verein, mit dem alles Begann und der auch nach der Ausgliederung noch das Rückgrat der Baskets darstellte. Ab heute heißen die Mannschaften „EWE Baskets Juniors“. Endlich ist der Namenssponsor auch hier angekommen und der Nachwuchs tritt im gleichen Dress auf, wie der Rest der „Marke“.

Für uns steht diese Entwicklung sinnbildlich für die Kommerzialisierung unseres Vereins. Wir, die zum Großteil nach 2001 zu den Baskets kamen, lernten einen Verein kennen, der sportbegeistert war, bei dem die Weser-Ems-Halle, später dann die kleine Arena, voll mit Fans war, die wegen ihres Vereins zu den Spielen kamen und bei dem der Basketballsport das war, was begeisterte. Für uns alle rückten die Baskets immer weiter in den Lebensmittelpunkt, wurden ein fester Teil im Alltag und auch abseits der Spieltage drehte sich viel um diesen Verein. Wir schlossen uns den aktiven Fans an, brachten uns ein, bauten das auf, was heute als Fanszene gesehen wird und organisierten uns. Ein Mitglied von uns war bei der informellen Gründung der Flying Moins in den 90ern dabei und weitere waren später Gründungsmitglieder von Thunderstorm im Laufe des Jahres 2007. Wir entwickelten uns stets weiter, legten unser Fandasein anders aus als andere und gründeten im November 2011 mit gli indefessi eine neue Gruppe, um unsere Ziele und Ideale, die sich von denen der Flying Moins und Thunderstorm unterschieden, gemeinsam zu leben und anzustreben. Eines der wichtigsten Ideale war von Beginn an, kritisch zu sein. Entwicklungen und Handlungen, sowohl bei sich selbst, als auch beim eigenen Verein, kritisch zu hinterfragen und dies auch klar nach außen zu tragen. Dies zeichnete sich bereits Anfang 2009 ab, als – zweieinhalb Jahre vor der Gründung von gli indefessi und noch als Thunderstorm organisiert – starke Kritik aus Reihen der Fans geäußert wurde, nachdem die Baskets eine von der EWE angestoßene Logoänderung vornahmen, in der der farbliche Gesamteindruck verändert wurde, indem der bisher blaue Farbverlauf durch eine weiße Fläche ersetzt wurde, wodurch auch die Vereinsfarben nicht mehr vollständig und maßgeblich im Wappen vertreten waren. Selbstverständlich fand das offene Äußern von Kritik keinen großen Anklang bei der Geschäftsführung der Baskets, die den Club im Laufe der Jahre immer weniger als Verein sahen, der sich aus der Organisation und den zahlreichen Anhänger*innen, die dem Verein Leben einhauchen, zusammensetzt, sondern zunehmend als reines Wirtschaftsunternehmen, welches ausschließlich nach Regeln des Marktes funktioniert und entsprechend agiert. Es verwunderte uns also wenig, dass die Geschäftsführung der Baskets uns trotz unserer maßgeblichen Rolle in der Oldenburger Fanszene nie richtig akzeptierte und auf Augenhöhe mit uns diskutierte.

Doch gänzlich neu war das Desinteresse an den eigenen Fans zu keinem Zeitpunkt. Die Grundzüge dieses Verhaltens zeigten sich bereits 2007, als Thunderstorm den Support boykottieren musste, um endlich Gehör beim Verein zu finden. Es zeigte sich immer wieder, dass die Belange der Fans für die Geschäftsführung nur dann von Interesse waren, wenn die Gefahr entstand, finanziell unter entstehenden Konsequenzen zu leiden. Dies zeigte sich bspw. 2015, als wir zu Beginn der Saison in zwei Heimspielen den Support boykottierten, um endlich ausreichend Gehör beim Verein zu bekommen. Erst als auch Sponsoren bei der Geschäftsführung nachfragten, was da los sei, erbarmte sich der Verein zu ernstzunehmenden Gesprächen. Ein weiteres Paradebeispiel ist der Streit um die Fanblocktribüne. Nach dem Umzug in die große Arena Anfang 2013 machten wir gemeinsam mit Thunderstorm deutlich, dass die bestehende provisorische Fanblock-Tribüne keine dauerhafte Lösung sein konnte. Die Jahre gingen ins Land und obwohl wir als aktive Gruppen im Fanblock das Thema immer wieder ansprachen und versuchten Fortschritte zu erzielen, wurde uns lediglich aufgezeigt, wie teuer eine Veränderung wäre. Erst als sich Thunderstorm und wir Ende 2016 gemeinsam dazu entschieden, den Zustand nicht länger hinnehmen zu können und damit drohten unsere Dauerkarten zu kündigen, sollte nicht ernsthaft und zielorientiert an einer Alternative gearbeitet werden, kam eine Entwicklung in Gang. Erst die Androhung finanzieller Konsequenzen für den Verein und die dadurch entstehenden Folgeschäden durch Stimmungsflaute in der Halle waren in Kombination mit der Initiative einzelner Personen, auf deren Wort seitens der Geschäftsführung Wert gelegt wird, Grund genug, das Thema anzugehen. Für einige war bereits damals das Maß voll und sie wandten sich von den Baskets ab. Der Verein trug somit bereits zu der spürbar rückläufigen Entwicklung der Fanszene bei.

Doch nicht nur der Umgang mit uns Fans muss kritisiert werden. Die Baskets, die sich heute als hochprofessionell präsentieren und versuchen den Eindruck zu erwecken, perfekt organisiert zu sein, wären heute nicht da wo sie sind, wenn nicht zahllose Anhänger*innen ehrenamtlich Aufgaben für diesen übernommen hätten. Unzählige Fans waren über die Jahre hinweg dazu bereit, ihren Verein nicht nur während des Spiels auf der Tribüne zu unterstützen, sondern auch durch das Übernehmen von Aufgaben vor, während und nach den Spielen oder gar ganz abseits davon. Stets ehrenamtlich und angetrieben von der Verbundenheit mit dem Verein. Sei es die Betreuung des Fanshops, der Auf- und Abbau in und um die Halle bei Heimspielen, die Moderation der Spiele, die Betreuung der zweiten Mannschaft oder eine der zahlreichen weiteren Aufgaben, die in den letzten 17 Jahren von Ehrenamtlichen übernommen wurden. Der Verein zeigte sich oft in verschiedener Weise erkenntlich und respektvoll, es gab das Gefühl gemeinsam an einem großen Projekt zu arbeiten. Doch im Laufe der Jahre ließ dies nach. Es gab immer weniger Wertschätzung dafür, was die Einzelnen für den Verein aufbrachten, viele Aufgaben wurden kommentarlos umverteilt und es wurden Leute für diese Aufgaben eingestellt, um deutlichere Hierarchien zu schaffen und den dort Arbeitenden weisungsbefugt zu sein. So stellten nach und nach immer mehr Ehrenamtliche ihre Arbeit für den Verein ein, fühlten sich nicht wertgeschätzt, verloren in schleichenden Prozessen ihre Aufgaben oder wurden gegangen, weil sie sich zu kritisch äußerten. In zu wenigen Fällen fand eine respektvolle und anerkennende Trennung statt. Viele kehrten dem Verein danach den Rücken. Fast schon zynisch erscheint es also vielen, die diese Prozesse miterlebt haben, wenn sie sehen, wie sich der Club in einem Format wie „Club DNA“ vermarktet, in dem er versucht diejenigen, die bis heute mit Herzblut dabei sind – ob ehrenamtlich oder nicht, für Marketingzwecke auszuschlachten und ein gutes Bild als „Marke“ herzustellen. Kein Wunder, dass es nur für fünf Folgen gereicht hat.

Die Liste ist leider noch länger. Denn auch der Umgang mit Mitarbeiter*innen muss kritisiert werden. Zum einen ist das Arbeitspensum der Angestellten übermäßig hoch, es werden Überstunden noch und nöcher produziert. Dadurch hat es sich als programmatisches Vorgehen etabliert, Praktikant*innen als billige Arbeitskräfte einzustellen, um die Arbeitslast auf mehr Schultern zu verteilen. Dadurch kam es bspw. auch dazu, dass die Rolle des Fanbeauftragten von bestimmten Mitarbeitern aus dem Bereich der Öffentlichkeitsarbeit als zusätzliche Aufgabe mitübernommen werden musste, wofür aber keine Arbeitszeiten mitkalkuliert wurden. Dadurch wurde es zur Zusatzbelastung, sich um die Belange der Fans zu kümmern, was die Kommunikation mit den Fans und einen Aufmerksamen Umgang mit diesen nur erschwerte. Auch wenn die zuständigen Mitarbeiter diese Aufgabe stets möglichst gewissenhaft versuchten zu übernehmen, litt dies durchweg unter den geschilderten Umständen. Dass Mitarbeiter, wie zuletzt einer aus dieser Reihe, von ihrer Kündigung durch die Ausschreibung ihrer Stelle erfahren mussten, setzt dem Ganzen allerdings die Krone auf.

Auch und insbesondere bei den Heimspielen äußerten sich diese Entwicklungen. Während wir als Teil der aktiven Fanszene und seit mehreren Jahren als Motor des Fanblocks versuchten, unseren Verein nach unseren Vorstellungen bestmöglich visuell und akustisch zu unterstützen, erschwerten uns die Maßnahmen des Vereins zur Eventisierung der Heimspiele den Alltag und wir mussten uns stets unsere Nischen suchen. Angefangen bei dem Einsatz von Klatschpappen, der bereits bei der Einführung noch vor der Meisterschaft 2009 kritisiert wurde, da sie aus unserer Sicht aus verschiedenen Gründen abzulehnen sind. Sie stellen nicht nur eine extreme Müllproduktion dar, sie schränken uns auch in der Gestaltung unseres Supports enorm ein. Durch die – nebenbei bemerkt grässlich klingenden – lauten Geräusche, die diese verursachen, die obendrein noch lange nachhallen, werden stimmliche Anteile des Supports größtenteils übertönt, wodurch eine monotone Lärmkulisse entsteht, die wir nicht als erstrebenswerten Support ansehen. Dadurch wird es uns auch enorm erschwert, längere Lieder zu singen und nicht einmal das Halten des Takts ist der Halle möglich, die diesen durch den Lärm der Pappen nicht einmal mehr hören kann. Damit haben sich die Baskets über die Jahre hinweg eine laute, unschöne Akustik geschaffen, die stets darüber hinwegtäuschen konnte, wenn die tatsächliche Atmosphäre in der Halle eine unemotionale war. Geräuschpegel statt Emotionen. Alles für den Anschein. Die mehrfachen Versuche aus der Fanszene, den Verein davon zu überzeugen, die Klatschpappen abzuschaffen scheiterten zumeist an dem Argument, man biete den Sponsoren dies als Werbefläche an, was man diesen nicht versagen möchte. Auch die Entwicklung realistischer Alternativen, um diese Flächen in anderer Weise anzubieten, schlug die Geschäftsführung stets aus. Sie positionierte sich hier klar und stellte die Interessen der Sponsoren abermals und unverhandelbar deutlich über die der eigenen Fans. Darüber hinaus gibt es im Rahmen der Heimspiele zahllose weitere Beispiele dafür, dass diese zu reinen Events verkommen, die konsumiert werden sollen und gemäß dem amerikanischen Vorbild zur Bespaßung der Kund*innen dienen sollen, um um jeden Preis die Halle voll zu machen. Halbzeitshows werden organisiert, in so gut wie jeder Viertelpause und Auszeit gibt es irgendwelche Spiele, Gewinnspiele, Werbeeinblendungen, Cheerleader-Auftritte oder oder oder. Von 30 Minuten vor dem Spiel bis 20 Minuten danach Unterhaltung pur. Bespaßung, Bespaßung, Bespaßung. Dabei kommt es kaum 30 Sekunden mal zu ruhigeren Momenten, die Musik dröhnt aus den Boxen und Gespräche oder Gesänge sind kaum möglich, sobald der Ball einen Moment lang ruht. Auch wenn uns seitens der DJs in der Halle versucht wurde, den ihnen zur Verfügung stehenden Spielraum für uns nutzbar zu machen, wurde die Selbstinszenierung des Clubs immer erdrückender. Imagefilme vor dem traditionellen Spielereinlauf, eine Dance-Cam, die sich weder richtig durchsetzen vermochte, noch gut vom Publikum angenommen wurde und letztlich noch eine nervige Kiss-Cam, die nur eingeführt wurde, damit ein Sponsor eine weitere Werbefläche bekommt. Kritik daran wurde nur selten Gehör geschenkt, es gab stets nur den einen Weg: Immer mehr Event! Und da auch wir Fans stets als Teil dieses Events gesehen werden und auch wir unseren Wert für den Verein dadurch ausmachen, dass wir die Atmosphäre zu der machen, mit der dieser Tickets verkaufen und Sponsoren begeistern kann, bestand auch immer die Erwartung an uns abzuliefern und die zahlreichen Eventbausteine bloß nicht zu stören. Die meisten vom Verein initiierten Gespräche mit uns kamen dadurch zustande, dass wir dessen wie auch immer gearteten Erwartungen nicht gerecht wurden.

All diese Dinge illustrieren eine Veränderung des Vereins, die im Kern auf genau eine Sache zurückzuführen ist: Kommerzialisierung. Die Entwicklung weg von einem familiären Verein, hin zu einer „Marke“, die verkauft werden will. Dies spiegelt sich auch in der vom Club heute verwendeten Sprache wider. Sie strotzt von wirtschaftlichen Begriffen und Selbstbeschreibungen, die einen tiefen Einblick in das Selbstverständnis des Clubs geben und nichts mehr mit der Lebensrealität der Fans gemein hat. Es geht ausschließlich darum, sich zu vermarkten und Geld zu verdienen. Die Inszenierung ihres Markenrelaunches spricht da Bände. Lange schon gibt es kein Gleichgewicht mehr zwischen Unternehmens- und Vereinsführung. Die von der Geschäftsführung nun propagierten Werte, die sie unbedingt mit ihrer „Marke“ verknüpfen wollen, sind, auch wenn Sie gegenteiliges behaupten, keine historisch gewachsenen Werte, sondern in Workshops als gut verkaufbar evaluierte Slogans.

Im Zuge dieser Kommerzialisierung haben die Baskets über die Jahre hinweg ihre Seele verkauft. Stück für Stück machten sie es einem schwerer, sich mit ihnen zu identifizieren. Immer wieder kamen in unseren Reihen Fragen und Gespräche auf, wie viel dieser Kommerzialisierung man noch mitmachen könne. Eines der letzten Überbleibsel dessen, womit wir uns stets identifizieren konnten, waren unser Logo und unsere Farben. Dies waren die Konstanten in einem sich stetig verändernden Verein, bei dem Spieler und Trainer kommen und gehen, sich Werte laufend ändern, wir alle paar Jahre eine neue Heimhalle haben, sodass es nur schwer dazu kommen kann, dass man sich irgendwann wirklich heimisch fühlen kann. Unser blau und unser gelb sowie der Großteil unseres Logos. Der Donnervogel und die Form des Logos sind das, was uns seit Beginn unserer Zeit als Basketsfans begleitet. Der Rest wurde bereits ausgetauscht. Auch dies ist es, was für uns den Verein ausmacht. Verein ist für uns so viel mehr, als eine Organisation, es ist ein Stück zuhause. Das Gefühl, welches entsteht, wenn man in eine Halle kommt und das Trikot des eigenen Vereins sofort erkennt. Das Gefühl, wenn du das Logo deines Vereins irgendwo siehst. Zuhause die Wände in Vereinsfarben gestrichen zu haben, das Logo des eigenen Vereins mit Stolz auf der Haut zu tragen und sich stets dort zuhause zu fühlen, wo man diese Dinge antrifft. Diese Dinge sind für uns nicht austauschbar. Dies hat sich für uns über Jahre hinweg entwickelt und gesteigert. Es ist nichts, woran man sich gewöhnen kann oder worüber man verhandeln könnte. Es ist eine starke emotionale Bindung und heute ein Gefühl von innerer Zerrissenheit, dessen beraubt worden zu sein. Uns wurde unsere letzte Identifikationsmöglichkeit genommen, der letzte wichtige Baustein, der die Baskets für uns zu unserem Verein gemacht hat. Zwar lebten wir schon lange mit dem Gedanken, dass dies irgendwann einmal passieren könnte, doch es jetzt tatsächlich zu erleben ist nochmal etwas ganz Anderes.

Noch zu Beginn dieses Jahres saßen wir mit dem Verein zusammen und schilderten diesbezüglich ausführlich unsere Ängste. Da uns die Pläne der EWE bekannt waren, einen Markenrelaunch durchzuführen, der 2017 nur aufgrund des damaligen Korruptionsskandals verschoben wurde und wir nicht erst seit der Logo-Aktion 2009 wussten wie viel Einfluss der Konzern auf die Baskets hatte, sprachen wir dies ausführlich an. Zwar wollte man uns wie erwartet nicht in etwaige Pläne einbeziehen, man versicherte uns aber, dass keine großen, wesentlichen Änderungen anstünden und wir folglich beruhigt sein könnten. Diese Aussage stillte zwar nicht unsere Angst, eine kommende Veränderung könnte für uns zu groß sein, wir rechneten allerdings nicht damit, dass dies eine dreiste Lüge sein würde und sowohl Farben, als auch Logo überholt würden. Die nun durchgeführte Änderung hätte kaum drastischer sein können. Bis auf den Gelbton ist nichts wie vorher. Das Logo, welches auch die Vereinsfarben repräsentiert, ist tief grau. Kein Schimmer mehr von unserem Blau. Und auch das Blau des neuen Auswärtstrikots stellt lediglich einen Mittelweg zwischen altem Blau und neuem Grau dar. Es ist zwar spekulativ aber naheliegend, dass dies lediglich den Übergang erleichtern soll. In spätestens 1-2 Jahren wird vom Blau nichts übrig sein. Den Verantwortlichen war von vornherein klar, dass sie damit auf Widerstand stoßen würden und so freuen wir uns über die Erkenntnis, dass man uns wenigstens für den Rest der Saison ruhigstellen wollte. Für uns ist diese Änderung gänzlich unabhängig irgendwelcher ästhetischen Ansprüche oder visuellen Parallelen zum „Reichsadler“ zu betrachten. Die Änderung an sich ist es, die uns die Grundlage der Identifikation raubt. Das wussten die Verantwortlichen zu jedem Zeitpunkt und haben uns bewusst belogen und nicht in weitere Gespräche eingebunden, um etwaige Kritik daran auszublenden und uns ruhig zu stellen. Das Gleiche tun sie aktuell in ihren Social-Media-Kanälen oder Zeitungsinterviews, in denen sie krampfhaft versuchen positive Feedbacks hervorzuheben und auszublenden, dass sie damit zahlreiche Menschen tief verletzt haben. Dass die Verantwortlichen diesen Markenrelaunch nun auch noch mit Bildern von uns, unserem Support und unseren Fahnen bewerben, obwohl ihnen unsere Meinung dazu stets bewusst war, ist an Geschmacklosigkeit und Zynismus kaum zu überbieten.

Uns wurde unser Verein genommen. Die jahrelange Entwicklung mit dem großen Finale der Änderung des Logos und der Farben hat uns dessen beraubt, was für die meisten von uns den Großteil unseres Lebens einen zentralen Lebensmittelpunkt darstellte. Wir sind groß geworden mit diesem Verein, der nun nicht mehr existiert. Die Organisation lebt, der Verein ist tot. Für uns, die sich aktuell sehr schwer damit tun, dies zu akzeptieren, gibt es kein mögliches Szenario, in dem es weitergehen könnte. Die Grundlage all unserer Arbeit ist nun Geschichte. Der einzig logische, wenngleich schmerzhafteste Schritt ist das Einstellen sämtlicher Aktivitäten. Wir werden uns ein paar Wochen Zeit nehmen um ein klareres Bild von unserer Situation zu bekommen und dann darüber entscheiden, welche Zukunft unsere Gruppe haben wird.

Wir verbleiben mit solidarischen Grüßen an alle, die diese Scheiße ebenso trifft wie uns,

gli indefessi von 2011