Stellungnahme zu angekündigten Änderungen im Pokalmodus und der Anhebung der Mindestetats für Bundesligisten

Der Pokal der Basketball Bundesliga wird ab der kommenden Saison in einem neuen Format ausgetragen. Der jahrelange Protest gegen den bestehenden Modus scheint endlich Früchte zu tragen, was die Ergebnisse der gestrigen Klub-Tagung der BBL zeigen. Der alte Modus wurde über die Jahre von zahlreichen Fanszenen kritisiert sowie boykottiert. Wesentliche Kritikpunkte waren dabei, dass sich lediglich sechs Teams zum Pokal qualifizierten sowie ein Verein, der das Top Four austrug. Dadurch wurden 11 Bundesligisten sowie alle weiteren Ligen pauschal ausgeschlossen, was insbesondere den „kleineren Vereinen“ dauerhaft eine Pokalteilnahme verwehrte. Darüber hinaus war die Ausrichtung des Top Fours und die damit einhergehende automatische Qualifikation für das Halbfinale bei der Liga käuflich zu erwerben. Damit wurde der sportliche Wettbewerb nicht nur verzerrt, es trug ebenfalls wesentlich dazu bei, bestimmte Klubs strukturell auszuschließen.

Die Proteste dagegen trugen sich durch den Großteil der Basketball Bundesliga und stellten immer wieder heraus, dass der sportliche Wert des Pokals nicht gegeben sei. Für die Proteste gab es zahlreiche Bündnisse zwischen teilweise rivalisierenden Fangruppen, was bei uns sowohl 2013 zusammen mit der Dragon Front Quakenbrück sowie dem Fanclub Dragonfire der Fall war, als auch beim Top Four 2015 in Oldenburg. Damals kauften sich die Baskets die Halbfinalteilnahme und trugen das Top Four aus, welches von ausgiebigen Protesten begleitet wurde. Für diese schlossen wir uns mit den Fangruppierungen und -clubs Supporters Club Bonn, Die Fans – Defense, Sektion Südblock Bamberg und Thunderstorm Oldenburg zusammen und äußerten unsere gemeinsame Kritik nicht nur visuell, sondern auch akustisch mit einem zeitweisen Supportboykott. Nach diesem Protest trat unsere Gruppe nicht mehr bei Pokalspielen in Erscheinung. Die Stellungnahme zum Pokal-Wochenende in Oldenburg findet Ihr hier.
Der neue Modus klingt zunächst vielversprechend. Die 16 besten Teams aus der Vorsaison spielen in einem K.O.-Modus mit jeweils einer Partie den Pokalsieger aus, wobei die Begegnungen sowie das Heimrecht in jeder Runde neu ausgelost werden. Das bisherige Top Four mit Halbfinals und Endspiel wird es in Zukunft hingegen nicht mehr geben. Dass weder die Auf- und Absteiger, noch die Zweitligisten im Pokal nicht berücksichtigt werden, ist sicherlich ein weiterhin bestehender Kritikpunkt. Die ab der kommenden Saison in Kraft tretenden Änderungen müssen jedoch als großer Schritt in die richtige Richtung gewertet werden und versprechen einen Pokalmodus, der seinen Namen auch verdient hat. Wir sind gespannt, ihn in der nächsten Spielzeit erleben zu dürfen!
Die BBL erwähnt die Kritik am alten Pokalmodus in ihrer Pressemitteilung lediglich einen „[…] Wunsch […], mehr Mannschaften […] teilnehmen zu lassen“ und betont die „Wachstumsmöglichkeiten“ des neuen Formats. Ein ehrlicher und kritischer Umgang mit den Protesten der Fans ist dabei leider nicht zu erkennen, auch scheint die Kritik am Grad des Kommerz nicht angekommen zu sein.

Eine weitere Veränderung, die in der übernächsten Saison in Kraft treten wird, ist die Erhöhung der Mindestetats für Bundesligisten auf 3 Millionen Euro. Dieser Schritt ist aus unserer Sicht definitiv fragwürdig. In den letzten Jahren gab es fast nie eine Saison, in der es zwei rein sportliche Absteiger gab. Fast jedes Jahr gab es finanzielle Gründe für einen Abstieg, wodurch die aktuelle Spielzeit schon eine erfreuliche Ausnahme darstellt. Eine Erhöhung der Mindestetats birgt das große Risiko zu dieser BBL-Tradition zurückzukehren und den Liga-Alltag von finanziellen Problemen ihrer Vereine dominieren zu lassen. Die „kleinen Vereine“ werden noch mehr als zuvor gezwungen sein, sich weiter zu kommerzialisieren und ihre aktiven Fans werden voraussichtlich noch mehr unter der Eventisierung ihrer Heimspiele leiden müssen. Der Preis für die Ligaphantasien, ganz oben mitspielen zu wollen und mehr und mehr Kohle im Basketballbusiness zu bewegen, wird auch weiterhin durch die Kommerzialisierung unseres Sports von den Fans gezahlt werden und darüber hinaus auf Kosten der sportlichen Attraktivität der Liga gehen, für die nicht nur tolles Marketing, Bayern München und spektakuläre Dunks maßgeblich sind, sondern auch ein sportlicher Wettkampf, der nicht Jahr für Jahr aufgrund mangelnden Geldes vorzeitig beendet werden muss, bei dem Traditionsstandorte wie Trier, Quakenbrück oder Leverkusen nicht in der Versenkung verschwinden oder Vereine nicht alle paar Jahre ihre Seele verkaufen und sich immer wieder nach dem Wind der Sponsoren richten, wie zuletzt Bayreuth, Bamberg oder Würzburg. Mit zahlreichen weiteren Beispielen von fast allen Bundesligastandorten könnten Seiten gefüllt werden. Darüber hinaus wird es für potenzielle Aufsteiger aus der Pro A erschwert, diesen Mindestetat bereitzustellen, was die Gefahr birgt, dass das Auf- und Absteigesystem indirekt weiter ausgehebelt wird.
Unterm Strich wird diese Änderung weitreichende Folgen haben, die uns Fans wenige oder keine Verbesserungen und viele Verschlechterungen bescheren wird. Ein zwar kommerziell logischer, aber noch viel mehr kritikwürdiger Schritt einer Liga, die mehr will, als sie kann.